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Scheidung

Die Ehescheidung

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes werden derzeit etwa 35% aller Ehen binnen 25 Jahren wieder geschieden. Seit einigen Jahren fällt diese Tendenz, jedoch werden konstant mehr als 1/3 der geschlossenen Ehen nicht durch den Tod, sondern durch das Familiengericht geschieden.

Eine Scheidung kann nach deutschem Recht nur von Gericht, dem Familiengericht, ausgesprochen werden. Eine Scheidung per Notar, per privatschriftliche oder gar per mündliche Vereinbarung ist nicht zulässig. Wollen Sie geschieden werden, findet daher in aller Regel (wenigstens) ein Gerichtstermin statt.

Die Scheidung wird seit dem Jahr 2009 vom Familiengericht per Beschluss - nicht mehr als Scheidungsurteil - ausgesprochen und erhält mit ihrer Rechtskraft Wirkung. Hierzu ist es erforderlich, dass einer der Ehegatten einen Antrag auf Scheidung bei dem jeweils zuständigen Gericht stellt.

Scheidungsvoraussetzungen

Die Scheidung nach deutschem Recht hat lediglich eine Voraussetzung: Die Ehe muss gem. § 1565 BGB zur Überzeugung des Gerichts gescheitert sein. Der Gesetzgeber formuliert die Voraussetzung für die Scheidung wie folgt:

§ 1565 Abs. 1 BGB:
Eine Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Die Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen.

In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff des "Trennungsjahres" verwendet. Leben die Beteiligten unstreitig seit über einem Jahr dauerhaft voneinander getrennt und betrachten die eheliche Lebensgemeinschaft übereinstimmend als gescheitert, so ist die Ehe zu scheiden, gem. § 1566 Abs. 1 BGB.

Gelegentlich beabsichtigen Ehegatten, eine besonders zügige Scheidung zu erreichen, indem sie den Zeitpunkt der Trennung weiter in die Vergangenheit legen. Der Trennungszeitpunkt hat jedoch neben der Scheidung noch Auswirkungen auf das Unterhaltsrecht und einen etwaigen Zugewinnausgleich, so dass eine leichtfertige Erklärung eines (zu) frühen Trennungszeitpunkts in Nachteilen auf unterhalts- und güterrechtlicher Ebene führen kann. Hier sollte dringend gewissenhaft geprüft werden, welches in Betracht kommende Trennungsdatum welche Konsequenzen nach sich zieht.

Selbstverständlich vertreten wir Sie nicht nur, wenn das Familiengericht Frankfurt für Ihre Scheidung zuständig ist. Grundsätzlich treten wir bei jedem Familiengericht in Deutschland auf. Die Antwort auf die Frage, welches Familiengericht für Ihre Scheidung zuständig ist, gehört selbstverständlich auch zu unserer Beratung.

Verfahrensdauer

Die Dauer des Scheidungsverfahrens hängt wiederum von mehreren Faktoren ab, insbesondere aber davon, über welche Folgesachen das Gericht zusätzlich zur Scheidung zu befinden hat.

Ein Verfahren, in dem die Beteiligten sich über alle Folgesachen einig sind und auf den Versorgungsausgleich verzichten wollen, kann binnen 3-4 Monaten abgeschlossen werden; im Einzelfall auch bereits nach kürzerer Zeit. Wird der Versorgungsausgleich durchgeführt, wird das Verfahren einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen: wenn beide Ehegatten ihren Pflichten fristgemäß nachkommen und keiner der Beteiligten komplizierte Rentenanwartschaften in der Ehezeit erworben hat, ist eine Verfahrensdauer von 6-9 Monaten realistisch.

Muss hingegen über Folgesachen gestritten werden, weil eine außergerichtliche Lösung nicht zu erreichen ist, kann ein Scheidungsverfahren durchaus länger als ein Jahr dauern; bei hochstreitigen Verfahren gar mehrere Jahre.

Unsere Beratung orientiert sich hierbei streng an Ihren Interessen: wollen Sie schnell geschieden werden, tun wir unser Möglichstes, um dieses Ziel zu erreichen. Haben Sie es hingegen nicht eilig - beispielsweise, weil Sie einen nennenswerten Trennungsunterhalt beziehen oder weil Ihnen die Ehewohnung für die Trennungszeit zugesprochen worden ist - kennen wir auch hier die prozessualen Möglichkeiten, diesem Anliegen nachzukommen.

Namensrecht

Hat ein Ehegatte den Namen des anderen als Ehenamen angenommen oder diesen seinem voran- oder nachgestellt, kann er beim Standesamt mit der Rechtskraft der Scheidung seinen vor der Ehe geführten Namen (Mädchenname) wieder annehmen.

Formal ist hierfür lediglich erforderlich, dass der geschiedene Ehegatte unter Vorlage des mit Rechtskraftvermerk versehenen Scheidungsbeschlusses einen Antrag beim Standesamt stellt.

Gemeinsamer Anwalt?

Der Ausdruck "Gemeinsamer Anwalt" taucht immer wieder auf, wenn von einer einvernehmlichen Scheidung gesprochen wird, also in dem Fall, dass beide Ehegatten voneinander geschieden werden wollen. Diese Bezeichnung ist jedoch ungenau und birgt die Gefahr eines Missverständnisses: Einem Anwalt ist es untersagt, beide Beteiligte in demselben Scheidungsverfahren zu vertreten. Da es sich bei einer Scheidung um ein sog. kontradiktorisches Verfahren handelt, stellt die Vertretung beider Seiten einen Verstoß gegen das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen gem. § 43a BRAO dar, die leicht in einen - strafbaren - Parteiverrat münden kann.

Dennoch können in einem Fall, in dem sich beide Seiten ausreichend intensiv mit den im Zusammenhang mit der Scheidung stehenden Fragen auseinandergesetzt haben, gelegentlich Zeit und Kosten durch die Beauftragung eines Anwalts gespart werden. Es handelt sich dann aber nicht um einen gemeinsamen Anwalt, sondern um den Anwalt nur eines Ehegatten - der jeweils andere geht dann ohne anwaltliche Vertretung in das Verfahren. Da hierbei Besondereheiten zu beachten sind - beispielsweise gilt im Scheidungsverfahren grundsätzlich Anwaltszwang - ist eine fachkundige Beratung unabdingbar. Nur so können einerseits die Vorteile einer zügigen Fallbearbeitung und einer Kostenersparnis der einen Seite genutzt werden, ohne den Risiken des Verfahrens ausgesetzt sein.

Ob ein Verfahren unter Beauftragung eines einzelnen Anwalts zweckdienlich ist, sollte nicht allein vor dem Hintergrund einer kurzfristigen Ersparnis getroffen werden, sondern wohlüberlegt sein. Fehler, die im Scheidungsverfahren gemacht werden, können um ein Vielfaches teurer sein, als die Beauftragung eines zweiten Anwalts für das Verfahren gekostet hätte.

Merke:
Ein "gemeinsamer Anwalt" im Scheidungsverfahren existiert nicht; allenfalls kann ein Ehegatte einen Anwalt beauftragen und ihn von der Schweigepflicht gegenüber dem jeweils anderen entbinden.

Online-Scheidung?

Der Begriff Online-Scheidung wird oft in mehrfacher Hinsicht missverstanden: Weder erspart die Online-Scheidung die persönliche Anhörung beider Beteiligter im Scheidungstermin gem. § 128 FamFG, noch ist diese Herangehensweise mit einer Kostenersparnis verbunden. Eine Online-Scheidung kostet nach dem Gesetz exakt dasselbe, wie eine Scheidung, der eine kompetente Beratung vorausgegangen ist.

Wenn Sie es ausdrücklich wünschen, bieten wir Ihnen an, das Scheidungsverfahren mit dem denkbar geringsten Aufwand für Sie zu führen. Sie müssen dann weder persönlich bei uns erscheinen, noch sind längere telefonische Erörterungsgespräche zwingend.

Wir empfehlen allerdings auch in einer Situation, in der Sie es eilig haben oder sich bereits mit Ihrem Ehegatten geeinigt haben, dass Sie uns vorab einmal die Gelegenheit geben, Sie über die gesetzlichen Folgen einer Scheidung aufzuklären. Hierfür entstehen - entgegen den Behauptungen einiger Anbieter von Online-Scheidungen - keine zusätzlichen Kosten! Wenn Sie im Anschluss an die Beratung weiterhin die "Scheidung Light" wollen, haben Sie eine informierte Entscheidung getroffen, die dann Ihrem wirklichen und nicht nur Ihrem vermeintlichen Willen entspricht. Schlussendlich dient dies zum einen der Vorsorge, dass Sie vor Ansprüchen Ihres geschiedenen Ehegatten geschützt werden und zum anderen, dass Sie sich nicht darüber ärgern müssen, unbewusst auf Ansprüche verzichtet zu haben, die Sie bei Kenntnis derselben womöglich durchgesetzt hätten.


Für Mütter, Väter und Familien:
Denken Sie bitte daran, dass es in der Regel die Kinder sind, die unter familienrechtlichen Problemen am stärksten zu leiden haben. Wir helfen Ihnen dabei, Ihre Kinder - soweit wie möglich - aus dem Konflikt herauszuhalten und ihnen eine sorgenfreie Kindheit zu ermöglichen. Das sollte auch in Ihrem Interesse sein, unabhängig davon, wie wenig Sie sich noch mit dem anderen Elternteil verstehen!

Ihr Ansprechpartner für das Familienrecht: RA Jochen Rüter, Fachanwalt für Familienrecht